Timeout - Kunst aus dem Off
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Die Leitung des Vereins Symposion Lindabrunn wurde 1999 umraum mit dem Auftrag der Fortführung als zeitgemässer Kunstbetrieb übertragen. Das Steinbildhauersymposion, in Claudia Büttners Doktorarbeit ?art goes public", als Kunst im nicht-institutionellen Raum beschriebene, kollektive Werksform verlor an Schwung. Konnten von den 60-er Jahren bis 1988 weltweit über 500 Veranstaltungen in der Dokumentation ?Bildhauersymposion" von Wolfgang Hartmann und Werner Pokorny aufgelistet werden, so blieben bis heute nur mehr wenige Namen im öffentlichen Gedächtnis.
Die Vorstellung vom kollektiven Kunstwerk oder der sozialpolitischen Aufgabe der Kunst wurde vom rasanten Wandel der Gesellschaft relativiert und in den Hallen der Kunstgeschichte geparkt. Lebendig geblieben und verankert werden konnte eine immer grösser werdende Zahl an Projekten im öffentlichen Raum mit Eventcharakter zur regionalen Belebung und die Lust der Künstlerin und des Künstlers am Schaffensprozess ausserhalb eines kanonisierten Kunstbetriebes.
Wenn sich zum Beispiel das Offene Kultur Centrum Linz mit dem Ziel, experimentelle Kunst zu ermöglichen und zu promoten, im städtischen Umfeld profilieren konnte; so gehen die Wurzeln dieses Konzeptes auf jene Bewegung der 60-er Jahre zurück, die dem klassischen Kunstbetrieb den Rücken kehrte und neue Repräsentationsräume zu erobern suchte.
Zweifelsfrei hatte das Symposion Lindabrunn in den mehr als 30 Jahren seines Bestehens einen solchen Freiraum auf dem Land aufbauen und erhalten können. Eine bescheidene aber funktionstüchtige Infrastruktur zum Betreiben eines experimentellen Kunst Labors war vorhanden. Hinzu kam noch ein allgemeines künstlerisches Interesse am Peripheren und ein gesellschaftspolitischer Trend zur Regionalisierung. Für umraum, einem Künstlerkollektiv mit Erfahrung im Crossover von Kunst und Architektur, sowie Arbeiten im öffentlichen Raum und Interesse, somit ausreichend Grundlagen ein prozessorientiertes Kunstprojekt am Standort Lindabrunn zu konzipieren. Ordnung, Raum und Netzwerk, zentrale architektonische Instrumente wurden eingesetzt, um das Verhältnis Öffentlichkeit, Kunstproduktion und Kunstvermittlung zeitgemäss zu transformieren. Es galt, für die sich ständig erweiternden Felder der Kunst einen zweckmässigen Repräsentationsraum, die dazugehörige Organisationsform zu erfinden und als Update zum Kunstbetriebssystem mit neuen Features im Sinne einer Open Source anzubieten. Soweit zur Programmatik des Projekts. Rechtfertigen liess sich der Bruch mit der Vergangenheit durch einen Kommentar in der Dokumentation ?Das Steinbildhauersymposion" von Timm Ullrich, der den Urgrund von Kunst erfrischend darlegen und den erdrückenden intellektuellen Überbau relativieren konnte.
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